OSR vor den neuen Bürgerbus
von links Rüdiger Frey, Günther Krüger, Klaus Werner, Sigrid Gering, Ingrid Teufel, Uwe Rahr und Uli Juskowiak. Es fehlen Ursula Reitz und Jürgen Hägebarth
Foto: Günter Russ

Die Gründung des Ortsseniorenrates reicht in das Jahr 2010 zurück. Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden Weissach im Tal und Auenwald erarbeiteten ein Statut, das gleichlautend von den Gemeinderäten beider Gemeinden verabschiedet worden ist. Die Gemeinden Weissach im Tal und Auenwald unterstützen ihre Ortsseniorenräte und befürworten eine enge Zusammenarbeit.

Der Verlust des Krankenhauses in Backnang, der zukünftig Krankenbesuche verkehrstechnisch komplizierter macht, bot die Gelegenheit, dieses Thema mit der Gründung eines Ortsseniorenrates zu verknüpfen. Die Forderung an den Landkreis, aus Weissach im Tal und den umliegenden Gemeinden in angemessener Zeit, zu erträglichen Kosten und mit tolerierbarem Aufwand das Klinikum in Winnenden zu erreichen, wurde in der Presse deutlich formuliert. Sie führte am 19. März 2012 zu einer Podiumsdiskussion mit einem Verkehrssachverständigen des Landratsamtes und Kreisräten unter Leitung eines Redakteurs der Backnanger Kreiszeitung. Bei der gut besuchten Veranstaltung hatten Bürger Gelegenheit, zur Neugestaltung des ÖPNV Fragen zu stellen. Im anschließenden zweiten Teil der Veranstaltung wurde der Ortsseniorenrat gewählt, dessen Mitglieder – satzungsgemäß sieben Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben – ihre Kandidatur in vorhergehenden Sitzungen bekundet hatten.

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Gemeinde Weissach im Tal
Kreisseniorenrat

Der Ortsseniorenrat hat folgenden Antrag an die Gemeinde Weissach im Tal gestellt:

Es ist eingetreten, wovor der Ortsseniorenrat Weissach im Tal schon vor Eintritt in die Planungsphase des Romboldareals eindringlich und schriftlich gewarnt hat: die Verkehrssituation in der Welzheimer Straße ab der Einmündung Lommatzscher bis zur Abzweigung nach Cottenweiler hat sich für Fußgänger und Radfahrer dermaßen verschlechtert, dass ein Unfall mit Personenschaden nur noch eine Frage der Zeit ist.

Nach unserer Satzung sind wir verpflichtet, auf nicht hinnehmbare Zustände hinzuweisen und an deren Beseitigung mitzuwirken. Fußgänger und Radfahrer erfasst im genannten Bereich ein mulmiges und unsicheres Gefühl. Zahlreiche Beobachtungen, Gespräche und Berichte über unfallträchtige Situationen veranlassen uns, sich einzumischen und folgende Forderungen aufzustellen:

  • Schaffung einer Fußgängerquerung in Höhe Rossmann und Tälesapotheke schnellstmöglich
  • Radstreifen beidseitig oder ausgewiesene alternative Verkehrsführung für Radfahrer
  • Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h bis zur Abzweigung nach Cottenweiler an der Seemühle mit Einrichtung einer Kontrollfunktion ähnlich Ortseingang Unterbrüden
  • Überprüfung der Grünphase der Fußgängerampel am Abzweig Jägerhalde. Für Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen, Kindern und Älteren ist es oft nicht möglich, innerhalb der Grünphase eine Überquerung zu schaffen.

Für den Ortsseniorenrat
Klaus Werner
Weissach im Tal, 26.02.2020

Sitzung des OSRs vom 21. Februar 2020.

Zum Haushaltsplan der Gemeinde für das Jahr 2020 und den Reaktionen der Fraktionen im Gemeinderat nimmt der Ortsseniorenrat wie folgt Stellung, soweit Seniorenbelange berührt sind:

In seiner Haushaltsrede vom Dezember 2019 beschreibt Bürgermeister Schölzel ausführlich die finanzielle Zwangslage, in der sich die Gemeinde seit vielen Jahren befindet. Um einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können, sieht sie sich genötigt, durch Grundstücksverkäufe die Haushaltslücken zu schließen. Von diesem Jahr an soll die Gemeinde zu einem „veritablen Gewerbestandort“ ausgebaut werden, denn mit dem bisherigen Gewerbesteueraufkommen von gerade einmal 1,4 Mio.€ sei unsere Infrastruktur „so nicht aufrechtzuerhalten“. Er nennt die neuen Erschließungsgebiete Wanne, Stockwiesen und Hart. In einem Zeitraum von 5 – 6 Jahren sollen in der Gemeinde 25 Mio. € investiert werden, die sich auf zahlreiche Infrastrukturbereiche beziehen. Industrieansiedlungen sollen von außen hereinkommen, ortsansässige Betriebe erhalten die Möglichkeit zur Ausweitung. Er konstatiert: „Wie wir alle wissen, ist Boden endlich“.

Lediglich eine Gemeinderatsfraktion äußert sich zu diesen Plänen kritisch und verweist auf den enormen Landschaftsverbrauch, der in der Bevölkerung teilweise für Unmut sorgt. Die möglicherweise höheren Gewerbesteuereinnahmen liegen in der Zukunft, in der Gegenwart muss man finanzielle Vorleistungen erbringen. Zu diesen verleitet die augenblickliche Null-Zinslage, die, wenn schon vorhanden, klug genutzt werden muss. Ob in der Vergangenheit immer klug gehandelt worden ist, kann man anzweifeln. In den letzten Jahren sind aus dem Ortskern zahlreiche Geschäfte abgewandert – ein Lebensmittelmarkt, ein Gemüsegeschäft, ein Getränkehändler, eine Bäckerei, zwei Metzgereien, ein Bekleidungsgeschäft, zwei Apotheken, zwei Arztpraxen, eine Bank, ein Schreibwarengeschäft. Zum Teil haben sie sich im Romboldareal und auf der anderen Seite der Welzheimer Straße neu niedergelassen oder haben auch in großem Stil am Ortsrand gesiedelt. Für die Bewohner im Norden oder Osten Weissachs sind die Einkaufswege länger und fußläufig schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich geworden. Die Verkehrslage hat sich verschärft. Der Berufsverkehr macht es Radfahrern wie auch Fußgängern sehr schwer, ohne Gefahr für Gesundheit und körperliche Unversehrtheit den schmalen Gehsteig der Welzheimer Straße zu benutzen oder gar zu überqueren. Das Romboldareal ist noch nicht fertiggestellt, da wird bereits die Fortsetzung „Fuchsklinge“ erschlossen. Ein Verkehrskonzept fehlt bis heute. Dabei leuchtet es doch eigentlich ein, dass man für einen neuen Ortsteil für 500 Einwohner zuerst die Verkehrserschließung vornehmen muss und erst dann mit der Flächenerschließung und Bebauung beginnt, nicht umgekehrt!

Wir müssen uns wohl mit den Verhältnissen abfinden. Dann aber muss der motorisierte Verkehr, in erster Linie der Autoverkehr, auf seine bisherige Bevorzugung verzichten. Der Ortsseniorenrat schlägt vor, die Welzheimer Straße und den Ortskern zu einer 30 – er Zone zu machen. Am Ortsschild, von Cottenweiler kommend, vor dem Edeka-Markt eine „Intelligente Ampel“ mit nachfolgender Radarkontrolle nach dem Vorbild in Unterbrüden zu installieren. Die Radarkontrolle muss von weitem her sichtbar sein. Weiterhin sollte auf beiden Seiten der Straße Radwege bis zur Lomatzscher Straße durch gestrichelte Markierungen eingerichtet werden. Beim jetzigen Fußgängerüberweg muss die Grünphase verlängert werden, da Behinderte in der kurzen Zeit die Straße häufig nicht passieren können. In Höhe Rossmann/Tälesapotheke benötigt man einen weiteren Übergang über die Straße.

Weissach verfügt über zwei Senioren- und Pflegeeinrichtungen. In der Haushaltsrede des Bürgermeisters wird eine mögliche Planung andersartiger Senioreneinrichtungen angesprochen, z.B. die Planung eines Mehrgenerationenhauses. Denkbar ist auch folgendes Modell: In Weissach leben Ehepaare oder auch verwitwete Personen in Einfamilienhäusern mit Garten, den zu bewirtschaften für die Betroffenen schwierig wird. Die Bereitschaft, in eine ähnlich komfortable kleinere altersgerechte Wohnung mit medizinischen und andersartigen Versorgungsmöglichkeiten umzuziehen, wäre bei manchen Senioren vorhanden, die Finanzierungsmöglichkeit über die alte Immobilie gegeben. Diese stünde einer jungen Familie mit Kindern zur Verfügung. Auf diese Art würde neuer Wohnraum entstehen, der die Allgemeinheit nicht belastet, sondern im Gegenteil Wohnraum für Familien schafft.

In diesem Zusammenhang soll an den Wert kommunaler Immobilien erinnert werden. Wenn seitens des Bürgermeisters und aller Fraktionen im Gemeinderat bezahlbarer Wohnraum eingefordert wird, dann hat die Gemeinde Möglichkeiten, diesen in Grenzen auch zu schaffen. Gebäude, die hierfür geeignet sind, müssten renoviert oder umgebaut werden. Weissach ist im Besitz solcher Gebäude, wie aus der Haushaltsrede hervorgeht. Am Beispiel „Schulhaus Oberweissach“ kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der auch von zwei Fraktionen angesprochen worden ist. Der Respekt vor der Leistung vorhergehender Generationen gebietet es, das Schulhaus nicht in Privatbesitz übergehen zu lassen, sondern die Verbundenheit mit Vorfahren hiesiger Familien auf diese Art zu pflegen. Es kommt auch eine Form von Geschichtsbewusstsein und Heimatgefühl zum Ausdruck, da sich viele Erinnerungen in den Familien mit dem Haus verknüpfen. Eine Verwendung als Unterkunft für bedürftige Familien bietet sich in idealer Form an. Kindergarten und Schulen sind zu Fuß erreichbar. Man könnte auch an eine weitere kulturelle Einrichtung für die Bürger der Region denken, die eine Ergänzung zu den bereits bestehenden darstellt, etwa die Einrichtung von Übungsräume der Musikschule.

Das Erinnern an die Vorfahren kann sich darin äußern, ein altes Schulhaus einer würdigen Verwendung zuzuführen. Der OSR möchte außerdem daran erinnern, dass die lebende Generation eine Verantwortung für die nachfolgende hat. Dies empfinden in gleicher Weise alle Verantwortlichen in der Gemeinde. Dennoch zurück zum Problem, die kostspielige Infrastruktur der Gemeinde aufrechtzuerhalten und zu modernisieren: Bürgermeister Schölzel setzt darauf, durch Ausweisung von Baugebieten den Gewerbestandort zu stärken. Zukünftige Steuereinnahmen aus dem neu angesiedelten Gewerbe tragen die Schulden von heute ab. Die umfangreichere kostspielige Infrastruktur muss dann wieder angepasst werden. So bedingen sich zwei wirtschaftliche Seiten gegenseitig, die zum bisher akzeptierten Wirtschaftsdenken der westlichen Welt gehören und das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) fördern. Weissach stellt keine Ausnahme dar.

In den letzten 20 Jahren hat das BIP in Deutschland jährlich um etwa 3% zugenommen, weltweit um ca. 4%. Dies hat zur Folge, dass sich in Deutschland nach etwa 25 Jahren das BIP verdoppelt; nach 50 Jahren hat es sich vervierfacht.  Weltweit träte eine Verdoppelung bereits nach 18 Jahren ein. – Internet, statistisches Bundesamt, Stichwort BIP -. An dieser Stelle kann man die Bemerkung von Bürgermeister Schölzel abgewandelt wiederholen: „Wie wir alle wissen, sind die Ressourcen des Erdballs endlich“. Die Ehrlichkeit gebietet, gleichzeitig anzumerken, dass niemand ein Rezept weiß, wie man aus der Wachstumsspirale herauskommen kann, ohne große soziale Verwerfungen zu produzieren. Es gibt namhafte Ökonomen und Soziologen, die sich mit dieser sehr komplexen Problematik befassen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. An Einschränkungen wird man nicht vorbeikommen, aber an Lebensqualität würden alle Bevölkerungsteile erheblich gewinnen.

Uwe Rahr Ortsseniorenrat Weissach im Tal unter Mitwirkung von Klaus Werner und Rüdiger Frey