Wegen der aktuelle Corona Lage müssen die Fahrten ab dem 2. November vorübergehend eingestellt werden.

Bild von l.n.r: Rüdiger Frey, Wolfgang Merz und Klaus Werner
Im Hintergrund die Seniorenbegegnungsstätte in Unterweissach,ein häufig angefahrener Ort
Bild: Jutta Werner

Seit 17. September 2019 ist der Bürgerbus Weissach im Tal in Betrieb und erfreut sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung Weissachs und im Besonderen unter den Fahrgästen.

Durch die Corona Pandemie musste der Betrieb von Mitte März bis Ende Mai ausgesetzt werden, da sowohl die Fahrer*innen des Bürgerbusses als auch die Gäste zur Altersgruppe 60+ gehören und somit einer besonderen Gefährdung der Ansteckung unterliegen.

Die Redaktion der Homepage des OSR befragte die ehrenamtlich Verantwortlichen des Bürgerbusses (Rüdiger Frey, Wolfgang Merz und Klaus Werner) zu Fragen rund um den Bürgerbus.

Redaktion: Welche Erfahrungen brachte das erste Jahr Bürgerbus Weissach im Tal?

Rüdiger Frey: Im September vergangenen Jahres fing alles an; zunächst etwas schleppend. Trotz Verteilung von Flyern, Werbung im Nachrichtenblatt der Gemeinde, persönliche Ansprachen gegenüber Ärzten, Therapeuten, Apotheken auf diese Neuerung: es brauchte etwa 6 Wochen, bis Fahrer, Verantwortliche und Vertreter der Gemeinde bemerkten: wir sind in Weissach im Tal voll angekommen. Die Monate danach waren ein voller Erfolg, die Zahlen und Bemerkungen der Fahrgäste zeigten dies. Corona bremste uns dann wieder aus. Von Mitte März bis Ende Mai dieses Jahres mussten die täglichen Fahrten eingestellt werden. Anfang Juni nahmen wir die Fahrten wieder auf.

Redaktion: Wie viele Fahrgäste fallen täglich im Durchschnitt an?

Rüdiger Frey: Geschätzt werden täglich durchschnittlich 4 Fahrgäste befördert. Bei Hin- und Rückfahrt ergeben sich somit 8 Fahrten, die zwischen 9-17 Uhr zu erledigen sind. Bedenken muss man, dass Fahrten zum Krankenhaus in Winnenden doch sehr zeitaufwändig sind.

Redaktion: Klappt es mit den Anmeldungen?

Klaus Werner: Nach kurzer Zeit haben die Fahrgäste das Wesen der Anmeldung verstanden und halten sich daran.

Redaktion: Fallen Wartezeiten der Fahrgäste an?

Klaus Werner: Gelegentlich fallen auch Wartezeiten für die Fahrgäste an. Dies geschieht dann, wenn der Fahrer oder die Fahrerin anderweitig mit Fahrten beschäftigt sind oder durch Verkehrshindernisse oder Staus aufgehalten werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Fahrgäste geduldig im Wartezimmer auf ihre Abholung warten.

Redaktion: Wie hat man sich eine Fahrtanmeldung im Alltag vorzustellen?

Klaus Werner: Die Fahrgäste rufen werktags zwischen 9 – 12 Uhr unter der Rufnummer 0163 6353121 an und erreichen in der Regel Frau Rehm, bei deren Abwesenheit Herrn Roth oder Frau Heissenberger und äußern ihren gewünschten Fahrttermin. Es wird sofort überprüft, ob die Fahrt gemacht werden kann. Normalerweise erfahren die Fahrgäste noch am Telefon, ob die Fahrt zum gewünschten Termin stattfinden kann.

Redaktion: Wie gestaltet sich die Partnerschaft mit der Gemeinde Weissach im Tal?

Rüdiger Frey: Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Gemeinde Weissach im Tal ist von Anfang an sehr eng und absolut gut. Selbstverständlich muss man sich hier und da in Gesprächen verständigen, aber wer kennt dies nicht aus seinem Leben. In Bürgermeister Schölzel hatten und haben wir einen Partner, der dieses Projekt von Anfang an wollte und dementsprechend unterstützte. Nicht zu vergessen: die Gemeinde Weissach im Tal ist Träger und Financier der Idee Bürgerbus.

Redaktion: Wie hoch ist der zeitliche Einsatz der Verantwortlichen?

Rüdiger Frey: Der zeitliche Einsatz war in der Entstehungs- und Umsetzungsphase sicherlich sehr hoch. Doch dies hat sich zumindest für mich stark reduziert. Derzeit sind sicherlich Klaus Werner und Wolfgang Merz stärker zeitlich beansprucht.

Wolfgang Merz: 6 Stunden für Reifenwechsel im April und Oktober; 20 Stunden für Wartungs- und Inspektionsintervalle; terminieren und vorführen des Fahrzeugs beim Autohaus in Zuffenhausen sowie Abrechnung mit der Gemeinde als Fahrzeughalter. Weiter: Fahrzeugprüfung in Sachen Unfallverhütungsvorschriften sind jährlich durchführen zu lassen. Schließlich: 12 Stunden für Sichtprüfungen und anfallende Reinigungsarbeiten.

Redaktion: Wie steht es um die Zusammenarbeit zwischen Fahrern und ehrenamtlich Verantwortlichen?

Klaus Werner: Die Zusammenarbeit zwischen Fahrern und ehrenamtlich Verantwortlichen klappt sehr gut.

Redaktion: Welche Anregungen und Wünsche erhalten Sie von den Fahrern?

Klaus Werner: Nicht alles können die ehrenamtlich Verantwortlichen vorausschauen und wissen. Immer wieder kommen daher Anregungen und Wünsche von den Fahrerinnen und Fahrern. Ganz besonders dankbar waren wir in der Vergangenheit für sehr sinnvolle Verbesserungsvorschläge, die zeitnah umgesetzt wurden.

Redaktion: Reicht der Pool an Fahrer*innen aus?

Klaus Werner: Der Pool an Fahrerinnen und Fahrern ist derzeit ausreichend. Wir sind gut mit verantwortungsvollen Ehrenamtlichen versorgt.

Redaktion: Wie steht es um den Nachwuchs bei den Fahrer*innen?

Klaus Werner: Wir müssen darauf achten, dass immer wieder Kräfte nachrücken. Momentan sind wir offen für Personen; gerne noch mehr Frauen im Alter zwischen 58 und 65 Jahren, die bereit sind, einen kleinen Teil Freizeit zu schenken.

Redaktion: Wie halten Sie Kontakt zu den Fahrer*innen, vor allem in der jetzigen Zeit?     

Klaus Werner: Nach dem ersten erfolgreichen Jahr habe ich die Aufgabe an unsere Disponentin Frau Susanne Rehm von der Gemeinde Weissach im Tal abgegeben. Sie hält den Kontakt per Telefon und E-Mail.

Redaktion: Wer ist Ihr Ansprechpartner seitens der Gemeindeverwaltung?

Rüdiger Frey: Oh, das sind mehrere. Bei grundsätzlichen Angelegenheiten steht Bürgermeister Schölzel zur Verfügung.  Froh sind wir auch über das Engagement von Hauptamtsleiter Sczuka. Frau Loth ist die Ansprechpartnerin für eigentlich alle Angelegenheiten des Alltags. Frau Zieker ist Ansprechpartnerin für die Prüfung der Führerscheine der Fahrer und Fahrerinnen, für Versicherungsfragen sowie das Fahrzeug selbst.

Redaktion: Wie sind Sie mit dem Elektrofahrzeug zufrieden?

Wolfgang Merz: Bisher konnten mit dem Nissan Elektrobus alle Fahrten problemlos durchgeführt  werden. Das Elektrofahrzeug steht jeden Tag vollgeladen zur Verfügung, da es über Nacht an einer Wallbox in der Garage angeschlossen und aufgeladen werden kann. Die Reichweite beträgt auch mit Klimaanlage und ohne zu sparen 250km, was für den täglichen Einsatz völlig ausreichend ist. Erfreulicherweise konnte bei der ersten Jahresinspektion festgestellt werden, dass alle Verschleißteile dem Niveau der gefahrenen Kilometer entsprachen und keine Schäden festzustellen waren.

Redaktion: Fallen Wartungen an?

Wolfgang Merz: Wie bei jedem Fahrzeug: der Wechsel der Winterreifen, Inspektionen je nach gefahrenen Kilometern oder Zeitintervallen; zuletzt: Fahrzeugüberprüfungen gemäß der Unfallverhütungsvorschrift.

Redaktion: Gab es mit dem Fahrzeug bereits Probleme?

Wolfgang Merz: Mir sind keine technischen Probleme zu Ohren gekommen. Eine zu lange Dachantenne, die am Anfang beim Einfahren in die Garage streifte, konnte durch eine kürzere leicht ersetzt werden. Eine zu hohe Innenraumfeuchtigkeit mit Anlaufen der Scheiben bei Regenwetter konnte durch selbst zugeschnittene Gummimatten auf den Teppichboden verhindert werden. Zudem lässt sich das Fahrzeug dadurch leichter reinigen.

Redaktion: Wie wurden die Fahrer*innen für ihr Amt ausgebildet?

Rüdiger Frey: Wir haben das Glück, unter all den Fahrerinnen und Fahrern einen Fahrlehrer zu haben. Reinhard Deimel nahm sich die Mühe alle Fahrerinnen und Fahrer entsprechend in und für die Praxis zu schulen; eben wie früher in der Fahrschule.

Redaktion: Welche Maßnahmen wurden in Bezug auf Corona ergriffen, um eine mögliche Ansteckung so sicher als möglich zu verhindern?

Rüdiger Frey: Zusammen mit den Verantwortlichen der Gemeinde Weissach im Tal wollten wir so bald als möglich, aber auch so verantwortungsbewusst als notwendig die täglichen Fahrten wieder beginnen. Folgende Besonderheiten wurden ersonnen und umgesetzt. Es wird nur die dritte Sitzreihe im Bürgerbus mit Fahrgästen belegt; der Abstand von Fahrerinnen und Fahrern zu den Fahrgästen beträgt 1,60m. Fahrerinnen und Fahrer legen einen Mund/Nasenschutz an, sobald die Fahrgäste anwesend sind. Fahrgäste müssen ebenfalls einen Mund/Nasenschutz anlegen. Nach jeder Fahrt wird der Fahrgastbereich desinfiziert; des Weiteren abends der Fahrerbereich. Zuletzt: nach jeder Fahrt oder bei Fahrpausen wird das Fahrzeug gut gelüftet.

Redaktion: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der hauptamtlichen und den ehrenamtlichen Disponenten/in

Klaus Werner: Im ersten Jahr hat die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert: Nach einem Jahr wurde die Aufgabe von Frau Rehm übernommen.

Redaktion: Wie ist das Verhältnis zu / mit den Fahrgästen

Klaus Werner: Die Berichte über das Verhältnis zu den Fahrgästen wurde von den Fahrerinnen und Fahrern durchweg positiv gesehen.

Redaktion: Gab es missbräuchliche Benutzung des Bürgerbusses?

Klaus Werner: Die Disponentin achtet bei der Anmeldung der Fahrt darauf, dass Missbrauch ausgeschlossen wird. Die soziale Kontrolle in einer Gemeinde wie Weissach im Tal funktioniert so gut, dass Missbrauch nicht vorgekommen ist.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespäch und die offenen Antworten